Freie Schule – mitdenken, mitreden, mitmachen – Demokratiebildung live

Paula Rabe über die Teilnahme an der Demo „Give me five“

15. August 2019: gut 20 Schüler*innen machen sich in Begleitung von drei Pädagogen und drei Eltern der freien Schule auf den Weg in die Landeshauptstadt Potsdam. Wir wollen auf die Demo „Give me five“, die von der Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen Brandenburg (AGFS) organisiert wurde. Bereits die Anreise mit der Bahn, einmal quer durch Berlin, war für viele von uns ein kleines Abenteuer. Aber was erwartet uns dort? Für einen großen Teil der Schüler*innen ist es die erste Demo, ein aufregender Moment.

In Potsdam angekommen sehen wir schon viele Schüler*innen, Pädagogen und Eltern mit bunten Plakaten am Hauptbahnhof vorbeiziehen. ‘Wir sind etwas spät da‘, denken wir noch und machen uns trotzdem aufgeregt und erwartungsvoll auf den Weg.

Auf der Fußgängerbrücke sind wir zügig unterwegs und können so schnell wieder Anschluss an den Demonstrationszug erhalten. Doch was passiert da? Mitten in unserer Gruppe läuft die Brandenburger Bildungsministerin. Gar nicht lange überlegt, wird sie direkt von uns angesprochen. Freundlich, jedoch bestimmt, teilt sie uns direkt mit, dass sie kein Geld haben würde. Schade, wollen wir nicht alle gleichberechtigte Rahmenbedingung für die Bildung aller Kinder? Nun gut, wir lassen uns davon nicht verunsichern und stapfen wacker weiter vorbei am Landtag und am Baberini-Museum zur Nikolaikirche. Staunend sehen wir wieviele Schüler*innen, Pädagog*innen und Eltern sich vor der der Nikolaikirche versammelt haben; offiziell werden 5000 Teilnehmer geschätzt.

Wir finden im Getümmel ein gemütliches Plätzchen direkt vor der Treppe der Nikolaikirche von der aus die Reden gehalten werden. Alsbald ist nun auch unsere Bildungsministerin Frau Britta Ernst als Rednerin aktiv, ihre Botschaft lautet auch hier, die freien Schulen werden gut finanziert und für eine Erhöhung der Finanzierung sehe sie keinen Anlass. Nun ja, dass mag aus Sicht der Ministerin mit nüchternem Blick auf die Zahlen wohl so sein. Aber entspricht das der Realität? Vielleicht sollte sie sich mal zu uns bemühen und sich unsere Schule anschauen und vielleicht auch einfach einmal mit den Schüler*innen und Pädagogen*innen ins direkte Gespräch kommen?

Wir lassen uns davon die gute Laune nicht verderben, es reden ja zum Glück auch noch Abgeordnete von anderen Parteien. Und es stehen die Landtagswahlen vor der Tür. Vielleicht verändert sich zu unseren Gunsten auch die Regierungsbildung, wer weiß das schon so genau. Auf jeden Fall stehen die Abgeordneten der anderen Parteien dem Thema der Finanzierungserhöhung positiver gegenüber. Das macht uns erst einmal Mut. Viele gute Ideen werden von den Rednern zur Verbesserung der Finanzausstattung an den Freien Schulen vorgestellt. Wir sind mal gespannt, ob nach der Wahl vielleicht doch die ein oder andere Idee durch den neuen Landtag umgesetzt werden kann.

Da wir nun schon mal die Abgeordneten live erleben können, fassen wir uns auch ein Herz und sprechen Petra Budke von Bündnis 90/die Grünen an. Wir suchen uns gemeinsam ein ruhiges Fleckchen und machen es uns auf den Bänken im Innenhof des Landtages gemütlich. Zuerst stellen wir uns Frau Budke kurz vor und erzählen bildhaft von unserer Schule. Auch machen wir dabei deutlich, wie schwierig es für uns ist, den dringend benötigten Neubau selbst zu finanzieren. Wir erzählen vom Spendenlauf und all unseren Bemühungen, dass Geld für den Neubau selbst aufzubringen. Aber wir machen ihr auch deutlich, dass wir ohne die Einbeziehung in die kommunalen Förderprogramme nicht nur erheblich benachteiligt werden, sondern auch unsere Existenz auf dem Spiel steht.

Wir wünschen uns, dass eine bessere finanzielle Unterstützung der freien Schulen erfolgt. Denn wir haben Bedenken, dass aufgrund der fehlenden Finanzierung die Schulgelder erhöht werden müssen und so die freie Schule Woltersdorf nicht mehr allen Kindern zugänglich wäre. Wir wünschen uns, dass nicht der Geldbeutel der Eltern entscheidend für einen Besuch an unserer Schule sein sollte.

Unsere Sorgen und Bedenken kann Frau Budke gut nachvollziehen. Sie möchte sich für ein Konzept der Förderung von Schulneubau und Schulsanierung einsetzen. Dabei sollen nach ihrer Vorstellung auch die Freien Schulen von der Förderung durch eine Einbeziehung profitieren.

Aber wir wollen nicht nur klagen, wir wollen ihr auch erzählen, was unsere Schule so besonders macht. Neugierig fragt Frau Budke die Kinder, was sich die Kinder wünschen. Ohja, da kommt eine Menge zusammen…. eine Sporthalle, eine Bühne und vor allem auch einen größeren Nawi-Raum. Wir erzählen von unserem schönen Schulhof und wieviel Freude und Spaß wir in der Schule haben.

Sehr aufmerksam verfolgt Frau Budke den Ausführungen der Kinder. Wir haben ihre Neugier geweckt. Gern würde sie sich nach den Wahlen unsere Schule auch mal anschauen. Sie würde sich sehr über eine Einladung von uns freuen. Wir verabschieden uns von ihr und machen uns nun guter Dinge auf in den Landtag.

Am Eingang müssen wir erst noch mit dem Wachschutz verhandeln, da sie uns nicht ins Gebäude hereinlassen wollen. Da wir uns aber nicht so schnell in die Flucht schlagen lassen, können wir uns am Ende mit der Unterstützung der Damen von der Landtagsinformation durchsetzen. Der Landtag ist nun mal ein öffentliches Gebäude und daher darf man uns den Zutritt nicht verweigern…wir haben also wieder etwas gelernt. Wir müssen uns für unsere Rechte einsetzen.

Im Landtag selbst sind wir von der Architektur des Gebäudes beeindruckt und nehmen zuerst Platz auf den roten Sesseln im Foyer. Kurze Pause, es wird gequatscht, gestaunt, gegessen und getrunken und die Computersimulation die den Landtagsbau vereinnahmt. Dann machen wir uns auf den Weg durch das moderne Gebäude, die einen wollen mit dem Fahrstuhl fahren und die anderen nehmen die Treppe. Im ersten Obergeschoss angekommen, sind wir begeistert von den großen roten Sitzecken, total gemütlich…die ersten Kinder wollen gar nicht mehr weiter. Über einen Monitor können wir den Plenarsaal sehen, rein dürfen wir heute nicht mehr.

Dafür machen wir uns direkt auf den Weg zu einer Karikaturenausstellung, in der es um unser Essen geht …genmanipulierte Futtermittel, Massentierhaltung und vieles mehr wird durch die Karikaturen dargestellt. Wir haben wieder interessante Gespräche, nicht immer sind die Karikaturen für alle von uns gut verständlich. Die Kinder haben bereits viel von diesen Problemen gehört und sind schnell im regen Austausch.

Am Ende der Ausstellung sind wir dann doch alle reif für den Feierabend. Das war heute alles sehr aufregend und spannend für uns…so viele Eindrücke. Wir treten die Heimreise an. Auch aufregende Tage gehen irgendwann einmal zu Ende. Für uns jedenfalls war es eine interessante Reise nach Potsdam. Wir haben viel erlebt und erfahren.

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